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Das Gebiet des heutigen Sudan bis zum Mittelmeer war besiedelt von schwarzafrikanischen
Kulturen.
bis 1400: Araber wandern nach Ägypten und Nordsudan ein
seit 1820: Unter turko-ägyptischer Herrschaft im Sudan wurden Menschen aus ganz Schwarzafrika
versklavt und verkauft. Im Mahdi-Aufstand 1881 konnten sudanesische
Widerstandskämpfer die türkischen Besatzung vertreiben. An der Versklavung von
Schwarzafrikanern wurde weiterhin festgehalten.
seit 1898: Bei der 'Rückeroberung' durch ägyptische und vor allem britische Truppen wurde die
anglo-ägyptische Kolonialherrschaft endgültig über dieses riesige Gebiet
errichtet.
Ab ca. 1910 wurde der Süden des Gebietes administrativ aber auch durch Staatsgewalt abgeschottet vom
Norden. Das sollte den Einfluß des Islam und der arabischen Kultur beschränken.
Die Rechtfertigung war u. a. die Eindämmung des Sklavenhandels der arabischen
Händler. In dieser Zeit wurde in beiden Landesteilen eine völlig
unterschiedliche Politik betrieben. Wirtschaftliche und soziale Entwicklungen
und Investitionen in Bildung und Ausbildung fanden fast ausschließlich im Norden
statt. Im Süden wurde der Aufbau eines Schulsystems den europäischen Kirchen
überlassen.
Ab den 30er Jahren wurde diese Trennung wieder aufgehoben. Nordsudanesische Interessen konnten im
Süden wieder Fuß fassen. Posten, die die Kolonialmacht im Südsudan zu vergeben
hatte, wurden nordsudanesischen Eliten vorbehalten. Die wirtschaftliche
Entwicklung des Südens wurde nicht in dem Masse vorangetrieben, um den Vorsprung
des Nordens aufzuholen.
Obwohl diese Kluft bezüglich der Entwicklung und die völlige Ungleichheit im Verhältnis des Nordens zum Südens
überdeutlich waren, zwangen die Briten den Süden bzw. die marginalisierten Teile
in eine Einheit mit dem Norden, bzw. mit den Gebieten, die unter der Herrschaft
der sich als Elite herausgebildeten arabischen Minderheit.
Der Bevölkerungsanteil dieser privilegierten Gruppen beträgt ca. 5 Prozent. Viele schwarzafrikansischen
Gesellschaften waren schon und wurde verstärkt seit der Unabhängigkeit
arabisiert. Deshalb bezeichnet man heute einen Großteil der nordsudanesischen
Bevölkerung als arabisch bzw. arabisiert.
Konferenz von Juba und die Vorbereitung auf die Unabhängigkeit
1947 sollt ein Treffen zwischen Vertretern der südsudanesischen Bevölkerung und Vertretern des Nordsudan sollte
klären, ob ein Zusammenleben der Menschen innerhalb eines Staates möglich sein
kann. Die Vertreter des Südens haben sich dabei für eine Unabhängigkeit
ausgesprochen. Auf Drängen der Engländer und der Nordsudanesen wurde sich von
südsudanesischer Seite darauf geeinigt, die Wünsche der südsudanesischen
Bevölkerung anzuhären, um dann über die Bedingungen für eine Möglichkeit zur
Einigung auszuhandeln.
Diese Möglichkeit der Rücksprachen mit den betroffenen Menschen wurde ihnen pro forma eingräumt. Bei
der nächsten Konferenz wurden sie allerdings vor vollendete Tatsachen gestellt.
Alle Zusagen waren nichtig und es wurde deutlich, daß dem ägyptischen Wunsch
entsprochen werden würde und die einzige Option die Einheit des Landes unter
arabischer Herrschaft sein würde.
Die Vertreter des Südens wußten, daß die Unterschiede der beiden Landesteile bzw. zwischen
arabischer und afrikansischer Bevölkerung zu groß waren für die Bildung eines
Staates ohne Übergangsphase. Der Bildungsrückstand im Süden war erheblich und
Südsudanesen waren in keiner Weise an der Verwaltung des Landes beteiligt
worden. Das bedeutete, daß, wenn die Unabhängigkeit erklärt werden würde, wäre
für Südsudanesen oder auch für alle Schwarzafrikaner keine Mitbestimmung in dem
zu erwartetenden Staat für vorgesehen.
Erster Bürgerkrieg
1955: Rebellion südsudanesischer Soldaten, 'Anynya one', ihr Ziel: ein
unabhängiges Südsudan.
1956 1. Januar: Sudan wird auf ägyptischen Wunsch hin als ein Staat unabhängig, unter arabischer
Herrschaft, Hauptstadt Khartum, in Zentralsudan
1957 christliche Schulen im Süden werden geschlossen
1962 Freitag wird zum freien Tag und zum Feiertag der Woche im gesamten Sudan
1969 Militärputsch von General Nimeiri, er ist zu diesem Zeitpunkt Kommunist
1971 Nimeiri verfolgt Kommunisten
1972 Addis Abeba Abkommen zwischen Nimeiri-Regime und einigen Mitgliedern der
Wiederstandsbewegung auf internationalen Druck hin und Kriegsmüdigkeit im
Norden;
Das Abkommen von Addis Abeba 1972-81/83:
Aufgrund des Drucks internationaler Vermittler wie den Vertretern der Weltkirche, der
ägyptischen und äthiopischen Regierung wurde die Beibehaltung der Einheit des
Staates beschlossen; Ergebnis: Autonomie und nicht Unabhängigkeit für den
Südsudan.
Zweiter Bürgerkrieg
Aushöhlung der Autonomierechte in den Folgejahren nach Addis Abeba; Als
endgültiger Bruch des Abkommens gilt die Ausrufung der Sharia
1983.
- 1983 Gründung der Sudan People's Liberation Army.
- seit 1995 ist auch die nordsudanesische Opposition teilweise im Widerstand unter der NDA, National
Democratic Alliance.
- seit 1983: Widerstand gegen die Nimeiri-Regierung im Norden wächst. 1985 wird Nimeiri abgesetzt.
Treibende Kraft waren Unruhen in der Bevölkerung und die Unterstützung einiger
Militärs;
- 1986 finden Wahlen ohne Beteiligung des Südens statt, Sieger ist Sadeq al Mahdi (Umma); er ist
verantwortlich für den Tod von 250.000 Südsudanesen (1988), da er trotz
katastrophaler Versorgungslage keine Hilfsflüge nach Bahr el Ghazal zuließ;
Kriegsmüdigkeit im Norden und Gebietsverluste zwingen ihn zu Verhandlungen mit
der Widerstandsbewegung;
- 1989 Putsch der Militärs um Omar al Bashir, Regierungsübernahme durch die National Islamic Front (NIF) mit
Beteiligung der Armee;
Merkmale des Krieges
Rhetorik der Regierung: Der Krieg wird in alle Richtungen unterschiedlich gerechtfertigt.
Rechtfertigung, Rhetorik und Motive für den Krieg ändern sich, je nach dem, an
wen sich die Regierung wendet. Offiziell - dem Westen gegenüber - kämpft die
Regierung gegen Rebellen. Es heißt sie üben Gewalt aus, die von der Bevölkerung
nicht gewollt ist und versuchen einen Teil des Landes abzuspalten. Das dient als
Legitimierung für Krieg im eigenen Lande, gegen die Bevölkerung im Süden. Die
Regierung in Khartum ließ sich Anfang 2001 in einer Wahlfarce im Amt
bestätigen.
Der eigenen Bevölkerung und der arabischen Welt wird eine Bedrohung des Islam oder der Vorherrschaft der
Araber in diesem Teil Afrikas vor Augen geführt.
Tatsächlich zielen die
meisten Kampfhandlungen darauf ab, der Zivilbevölkerung ihrer Lebensgrundlagen
zu berauben. Selten kämpft die sudanesische Armee gegen Soldaten der
Widerstandsbewegung. In erster Linie werden Milizen eingesetzt, die bewaffnet
werden und gegen die Zivilbevölkerung als Mujahedin (heilige Krieger) eingesetzt
werden oder so einen Freischein zum Brandschatzen und Plündern erhalten.
Jihad: Islamistische Muslim Bruderschaften (später National Islamic Front, NIF, danach National Congress,
NC) unter Hassan al Turabi sind die politische Kraft hinter dem Putsch 1989.
Hassan al Turabi ist der Kopf der Partei und ideologischer Führer in der
Regierung bis er im Dezember 1999 von al Bashir abgesetzt wird. Turabi erklärt
1991 den Bürgerkrieg zum heiligen Krieg.
- Dieser Schachzug verhilft der Regierung zu neuen Möglichkeiten, Kämpfer für die Armee und für die
Milizen zu rekrutieren
- Ermordung und Versklavung von nicht-Muslimen wird dadurch legitimiert, ebenso deren Vertreibung von ihrem
Land;
Der Krieg der Regierung richtet sich vor allem gegen die unbewaffnete Zivilbevölkerung: Die Menschen
werden vertrieben, indem Dörfer bombardiert werden oder von bewaffneten Milizen
überfallen werden. Die Menschen sterben oder fliehen. Wenn sie als Flüchtlinge
in die Hände der Regierung fallen, sind islamische 'Hilfsorganisationen' für sie
zuständig.
Verteibungspolitik des NIF-Regimes
Felder, Kirchen, Krankenhäuser, Flüchtlingslager und Verteilungszentren werden
bombardiert;
Milizen werden von der Regierung bewaffnet, verwüsten Dörfer, rauben
und vergewaltigen Frauen und Kinder und das Vieh und töten die Männer.
Bestrafung der Bevölkerung - sofern sie in regierungskontrollierten Gebieten lebt - bei Verdacht auf Unterstützung der Rebellen.
Zwangsrekrutierung vor allem von Schwarzafrikanern, häufig von Kindern für die Armee oder
Milizen;
Außergerichtliche Tötungen, Folterung und Verschwindenlassen sind an der Tagesordnung.
Die Shariagesetze werden auch auf nicht-Muslime angewandt.
Auch nach der Absetzung Turabis behält die Regierung unter Omar al Bashir den islamistischen Kurs bei.
Trotzdem sind europäische Regierungen bereit die Regierung zu rehabilitieren.
Die sudanesische Regierung hat zu diesem Zweck ihre anti-westliche Rhetorik ein
wenig gemildert. Der Grund für die veränderte Haltung der europäischen Regierung
liegt in den wirtschaftlichen Interessen.
'Charm-Offensive': Das NIF-Regime wurde in den 90er Jahren isoliert und verlor auch die bedingungslose Unterstützung einiger
arabischer Länder; Deshalb unternahm die NIF-Regierung Anstrengungen, die
Isolation aufzubrechen.
Ihre Maßnahmen: Anti-westliche Rhetorik weniger aggressiv, offene Unterstützung
fundamentalistischer Gruppen reduziert,
Zusammenarbeit mit Firmen und einzelnen Regierungen wurde gesucht,
auf internationales Drängen hin wurde 1998 eine 'Verfassung' verabschiedet und 'Parteien
zugelassen'.
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